Aufsuchende Familienberatung

Allgemeines

Und was gestern noch galt, gilt schon heut' oder morgen nicht mehr

Dieser Satz aus einer Ballade von Hannes Wader, drückt in einfachen Worten aus, was Familien zunehmend verunsichert und schwächt. Familienleben in einer Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen und neu zu definierender Rollenbilder und Aufgabenteilungen von Mann und Frau zu organisieren, verursacht ein hohes Maß an Wahrnehmungs- und Anpassungsleistung für Eltern. Für Kinder und Jugendliche heißt dies häufig aufwachsen mit Widersprüchen und Unsicherheiten.

Wenn der familiäre Zusammenhalt auf Grund zunehmender äußerer und innerer Stressoren brüchig wird und der Blick auf die Ressourcen schwindet, geraten nicht wenige Familien in Krisen zu deren Bewältigung sie Unterstützung benötigen.

Unsere Beratungsarbeit weckt den Blick für das Machbare. Die Gespräche helfen den Familien, ihre sozialen, emotionalen und lebenspraktischen Kompetenzen neu zu bewerten und zu entdecken. Familienmitglieder lernen ihre Rolle im Beziehungsgefüge zu erkennen und können besser verstehen, was zur Irritation geführt hat. Auf der Basis der gewonnen Einsichten und Erkenntnisse können Lösungsstrategien entwickelt und diese unter der reflektierenden Begleitung unserer Berater ausprobiert werden. Zur kompetenten Bewältigung dieser Aufgabe bringen unsere Berater langjährige Erfahrung in der Begleitung von Jugendlichen und deren Familien im Rahmen der stationären Jugendhilfe sowie Aus- und Fortbildung in systemischer Beratung mit.

Grundsätzliches

Unser Beratungsangebot richtet sich auf Grund seiner Entstehungsgeschichte und des Erfahrungshintergrundes in erster Linie an Familien mit älteren Kindern ab ca. 12 Jahren.
Die Beratungsgespräche finden in unterschiedlichen Settings statt (Familiengespräche, Elterngespräche, Einzelgespräche). Der Ort der Beratung wird dem Beratungsprozess und der Beratungsmotivation angepasst und findet in der Regel im Lebensumfeld der Familien statt. Unsere aufsuchende Form der Beratung ist vor allem dann hilfreich, wenn der Besuch einer Erziehungsberatungsstelle eine zu große Hürde für die Familie darstellt.

Zur Deeskalation einer krisenhaften Situation besteht in Absprache mit dem KSD kurzfristig die Möglichkeit, auf Wohnbereiche und die Infrastruktur des Wohngruppenverbundes zurückzugreifen.

Wir favorisieren die Co-Beratung, wenn möglich in weiblicher/männlicher Besetzung. Dadurch erweitert sich die Vielfalt der Perspektiven und Methoden und in Folge dessen die Handlungsspielräume der Familien. Blinde Flecken können reduziert und die Allparteilichkeit gegenüber einzelnen Familienmitgliedern unterstützt werden.

Kurzzeitberatung (Clearing)

Wenn unklar ist, ob Beratung das geeignete Mittel ist, oder wie die passende Hilfe gestaltet sein könnte, bieten wir eine Kurzzeitberatung an. Ihr Ziel besteht darin, eine Basis und Atmosphäre herzustellen, auf deren Grundlage Kommunikation wieder möglich wird und weiterführende Hilfen etabliert werden können. Diese Beratung ist zeitlich begrenzt und kann nach ca. 6 Wochen abgeschlossen sein. Während des Verlaufs findet ein enger Austausch zur Auftragsklärung mit dem zuständigen KSD statt.

Voraussetzungen und institutioneller Rahmen

Grundlage unseres Beratungsangebotes ist der § 27 Abs. 2 SGB VIII Wir werden durch das zuständige Jugendamt beauftragt, nachdem der KSD den Bedarf an unserer Beratung festgestellt hat. Der Hilfeprozess wird gemeinsam abgestimmt.
In unserem Beratungsteam arbeiten erfahrene SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen mit zusätzlicher Aus- und Fortbildung in systemischer Beratung zusammen.
Das Team befindet sich in regelmäßiger Supervision.
Die konzeptionelle Entwicklung wurde durch den Freiburger Familientherapeutischen Arbeitskreis (FFAK) begleitet.